Donnerstag, 4. Mai 2017

Leben und aufgeben

Dies ist ein etwas ernsterer Beitrag, doch ich musste es einfach mal runterschreiben. Vielleicht kennt jemand von euch dieses Gefühl...

Im Moment geht mir wieder vieles im Kopf herum. Das meiste hat mit der Uni zu tun (womit auch sonst). Ich komme nicht mit mir ins Reine.
Seit Monaten geht es mir körperlich schlecht. Eigentlich fast schon, seit ich in die neue Stadt gezogen bin. Die Uni macht mir keinen Spaß und viele Dinge, die ich liebe und an denen mein Herz hängt, bleiben auf der Strecke. Wegen der Uni. Wegen meinem Wohnort. Wegen Geld.
Ich frage mich manchmal, ob diese Quälerei dazu gehören muss? Denn aufgeben war für mich noch nie wirklich eine Option. Ich habe alles immer irgendwie durchgezogen und im Nachhinein war ich oft froh darüber. Doch seit zwei Jahren bin ich kurz davor zu verzeifeln.
Ich studiere nur, weil ich das Studium brauche. Ich muss ein abgeschlossenes Studium in der Geisteswissenschaft haben, um mich überhaupt für einen Studiengang meiner Wünsche bewerben zu können. Also quäle ich mich. Doch dahinter stehen die Fragen:
- Was ist, wenn ich anschließend nicht genommen werde?
- Was ist wenn mir das andere Studium gar nicht gefällt?
- Was ist, wenn ich dadurch andere Chancen verpasse?
- Was ist, wenn ich daran kaputt gehe?
- Was ist, wenn ich das alles gar nicht will?

Ich ziehe durch, weil ich es brauchen könnte, aber wirklich wollen tue ich es nicht.
Ich habe Zukunftsängste, die mir oft den Schlaf rauben. Werde ich genug Geld verdienen? Werde ich eine Familie gründen können und diese, oder auch nur mich selbst, versorgen können? Werde ich unabhängig sein können und glücklich damit?

Ich merke, wie mein bisheriges Leben mich krank macht. Ich laufe von einem Arzt zum Anderen und keiner kann mir helfen. Bin ich krank oder nur verzweifelt?
Ich bin doch so ein fröhlicher Mensch, der so gerne lacht und einfach nur seinen Traum leben will. Doch für den brauche ich eine Menge Geld und ziemlich viel Glück. Beides nicht unbedingt etwas, was ich im Übermaße habe. Ich komme zurecht. Bisher.

Jeden Tag frage ich mich, wie es weitergehen soll und jeden Tag schweigt es in mir. Zuckt die Schultern. Schaut sich hilfesuchend um. Doch die gibt es nicht. Die Antwort ist in mir, doch ich kann sie nicht finden. Und irgendwie frisst mich das auf.
Ich lasse alles, was mir etwas bedeutet liegen und quäle mich durch die Dinge, die nicht zu mir passen. Weil ich es gebrauchen könnte. Ist es das, was das Leben ausmacht?
Wer schön sein will muss leiden - muss man auch leiden um glücklich zu sein?

Kommentare:

Aileen hat gesagt…

Liebe Lunau-Fantasy,
was du beschreibst, erfahren im Moment viele Menschen. Das Problem bist nicht du, sondern unser System. Wir werden in vorgegebene Formen gepresst und wer nicht hinein passt, wird ausgesondert. Das ist die traurige Wahrheit.
Ich habe lange Zeit auch ein Leben geführt wie du es beschreibst! Ich habe erst eine Ausbildung gemacht, da ich wusste, dass ich auf mein Traumstudium 5 Jahre warten werden muss. Die Ausbildung war grausam, nach dem ersten Jahr, was noch ging, da Neues immer interessant ist, habe ich mich zwei Jahre lang jedes Jahr gequält. Danach habe ich mein Traumstudium bekommen, musste dafür allerdings weit weg in einen anderen Teil Deutschlands ziehen. Dann habe ich mich verliebt - in der alten Heimatstadt. Wieder begann die Qual - die neue Stadt war furchtbar und die Liebe so weit weg. Anderthalb Jahre habe ich mich gequält, dann hat sich mein Studium meiner entledigt - ich war nervlich so am Ende, dass ich eine Prüfung drei Mal nicht gepackt habe und aufhören musste. Daraus habe ich gelernt und ein ähnliches Studium angefangen allerdings als Fernstudium, um flexibel zu bleiben. Natürlich hat die Beziehung, wegen der ich nicht lernen konnte auch nicht gehalten, ich war halt jung. Auch während der drei Jahre haben sich meine Wünsche stark verändert. Alles was ich am Anfang mit diesem Studium erreichen wollte, war mir in der Mitte des Studiums schon gar nichts mehr wert. Es hieß also weiter durchbeißen - nur war es diesmal nicht so schlimm, da ich mir Zeit und Ort frei wählen konnte - die Themen waren trotzdem stink langweilig! Letztendlich habe ich alles durchgezogen und für ein großartiges Happy End zum Ende des Studiums auch noch meinen jetzigen Mann kennengelernt. Ich bin inzwischen selbstständig zusammen mit meinem Mann, verbringe jeden Tag mit ihm, wir sind überglücklich und ich brauche NICHTS von dem, wo ich mich damals durch gequält habe - weder die Ausbildung noch das Studium. Und bin super glücklich. Ich bereue nichts, es ist schön eine Sicherheit zu haben sich jederzeit irgendwo bewerben zu können, um nicht auf der Straße zu landen, falls etwas schief läuft. Ich weiß aber auch nicht, wie weit ich schon mit meinem jetzigen Traum wäre, hätte ich von Anfang an mehr auf mein Herz gehört als auf meinen Verstand. Das muss jeder für sich entscheiden, das größte Ziel sollte allerdings sein glücklich zu sein. Was ist das Leben sonst wert? Meine beste Freundin schaut in holprigen Zeiten gern in ihr Horoskop und holt sich dort Rat. Sie hat bei schicksal.com sogar ein eigenes Profil angelegt und schaut dort gern rein. Vielleicht hilft dir sowas ja auch. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Aber irgendwann findet man ihn. :)
Folge deinem Herzen!

Alles Liebe
Aileen

Lunau-Fantasy hat gesagt…

Liebe Aileen,

wow, vielen Dank für deine Worte. Ich spiele derzeit tatsächlich mit dem Gedanken abzubrechen, aber ich habe bereits so viel investiert. Vielleicht mache ich auch einfach mal eine Pause, dann werde ich eben nicht in Regelstudienzeit fertig. Mache erst einmal andere Sachen, endlich ins Ausland gehen, Spaß haben und das Studentenleben genießen, um es dann nochmal probieren zu können. Ich werde mich damit genauer auseinandersetzen und auch verschiedene Meinungen einholen. Jetzt ist mir erst einmal wichtig wieder gesund zu werden und meinen Kopf auszustellen, damit das Herz zu Wort kommen kann. Es freut mich, dass du deinen Weg gefunden hast und glücklich wirst. Und wer weiß, vielleicht hat all das ja auch seinen Grund, mit diesen Tiefen. Hättest du dein erstes Studium damals geschafft, wärest du vielleicht jetzt nicht mit deinem Mann zusammen. Daher werde ich offen sein für das, was kommt, aber auch einiges verändern. Was genau, das wird sich zeigen.

Anke Unger hat gesagt…

Liebe Shanti,
nun weiß ich ja nicht, wozu du ein Studium der Geisteswissenschaften unbedingt brauchst. Ich selber habe 6 Jahre Germanistik studiert. Das hat mir zwar Spaß gemacht, aber im Nachhinein betrachtet war es vollkommen sinnlos. Für das, was ich wirklich wollte (Schreiben) hat es mich nicht wesentlich vorwärts gebracht und mir nur massenhaft Zeit geklaut. Jobmässig kann ich es schon total abhaken, obwohl ich mit Magistertitel und mit Note 1 abgeschlossen habe. Aber alle meine späteren Jobs hätte ich wohl auch ohne das Studium bekommen.
Laß dich dadurch aber nicht entmutigen. Ich habe im Leben viele Umwege gemacht und habe es letztlich aber doch geschafft, etwas auf die Beine zu stellen, mit dem ich zufrieden bin. Du schaffst das auch. Glaub an dich und du wirst dich ganz bestimmt durchbeißen!

Lunau-Fantasy hat gesagt…

Hallo Anke,

momentan bin ich auch nicht sicher, wofür ich das Studium brauche. Scheinbar haben sich die Bewerbungsvorlagen des anderen Studienfaches geändert, aber ich bin auch niemand der aufgibt. Ich habe schon so lange studiert, jetzt bringe ich es möglichst auch zu Ende. Dieses Semester ist noch sehr intensiv, angeblich wird es die nächsten Male besser (sofern man die Prüfungen besteht) und somit wäre ich in zwei Semestern endlich fertig, schreibe dann noch eine Bachelorarbeit und dann hab ich wenigstens etwas in der Tasche. Für denn Fall. Ich studiere gerade Germanistik im Nebenfach und das frisst mich und meine Zeit am Meisten, aber ich bleibe dran und vielleicht hat es seine guten Seiten. Hinterher ist man immer schlauer. Aber danke für deine Worte. Ich muss wohl einfach schauen, wo das Leben mich hin führt. Aber einfach so abbrechen will ich nicht. Wenn sich etwas besseres als Chance auftut, jederzeit, aber ohne etwas anderes will ich wenigstens beenden, was ich angefangen habe.Ich fühle mich sonst, als würde ich aufgeben und aufgeben mag ich nicht. Das ist der Dickkopf, der sich gerne mal mit dem Ehrgeiz vergleicht :)